GDT-Schnittstelle für Hautanalyse-Befunde, wie die Anbindung an Ihr PVS funktioniert
GDT ist der etablierte Standard für die Übertragung von Gerätedaten in deutsche Praxisverwaltungs-Systeme. Wir gehen durch, was die aktuelle Version GDT 3.5 leistet, wie die Anbindung einer Hautanalyse-Software an Ihr PVS technisch aussieht, welche Datensätze relevant sind und wo der Stand von Dermalia heute ist.
Aktualisiert am 27. Mai 2026 · 7 Min. Lesezeit
Eine ärztliche Praxis arbeitet selten mit nur einem System. Patientenstammdaten leben im Praxisverwaltungs-System (PVS), Labordaten kommen aus dem Labor zurück, Bildbefunde aus Geräten landen idealerweise direkt in der Karteikarte. Die Schnittstelle, die diese Welt zusammenhält, ist im deutschen Gesundheitswesen GDT, der Gerätedatentransfer. Wir erklären, wie das mit einer Hautanalyse-Software wie Dermalia zusammenspielt und welche Schritte für eine vollständige PVS-Anbindung anstehen.
Was GDT ist und woher der Standard kommt
GDT (Gerätedatentransfer) ist eine vom Qualitätsring Medizinische Software (QMS) gepflegte Schnittstellen-Spezifikation für den Datenaustausch zwischen Praxisverwaltungs-Systemen und Medizingeräten. Der Standard ist textbasiert, dokumentiert und frei verfügbar. Die aktuelle Version GDT 3.5 wurde im März 2024 in deutscher und englischer Sprache veröffentlicht und ist die Referenz für alle Neu-Anbindungen.
GDT gehört zur Familie der xDT-Standards (GDT, BDT, LDT, KVDT). Jeder dieser Standards adressiert einen spezifischen Übergabe-Kontext, GDT konkret den Geräte-PVS-Pfad. Die Datensätze sind als reine ASCII-/Latin-1-Textdateien definiert, jedes Feld ist über eine vier- oder fünfstellige numerische Kennung adressierbar.
Wie der Datenfluss in der Praxis aussieht
GDT ist bidirektional und folgt in der Hautanalyse-Praxis diesem Ablauf:
- PVS sendet Patientendaten an die Geräte-Software: Vorname, Nachname, Geburtsdatum, Geschlecht, Patient-ID, ggf. Krankenversicherung. Verwendeter Datensatz: 6302 (Untersuchungsdaten anfordern).
- Praxis-Personal löst die Aufnahme aus: am Hautscanner wird der Scan durchgeführt, die Software bekommt die Patientendaten vorgeblendet, MFA muss nichts mehr tippen.
- Befund wird erstellt und an das PVS zurückgegeben: als Datensatz 6310 (Befund zurückübertragen). Der Inhalt kann strukturierter Befund-Text, eine PDF-Anlage oder eine URL zum Online-Befund sein.
- PVS speichert den Befund in der Karteikarte: der Eintrag taucht in der Patientenakte als Untersuchungs-Eintrag mit Datum, Untersucher und ggf. Anhang auf.
Praktischer Mehrwert: die MFA muss nicht doppelt erfassen, Befunde landen automatisch in der Akte, die Patientenidentität ist konsistent über PVS und Befund-Software hinweg.
Welche PVS-Systeme typischerweise GDT unterstützen
In Deutschland nahezu alle gängigen Praxissysteme. Die größten Anbieter mit aktiver GDT-Unterstützung sind medatixx, T2med, MEDISTAR, x.concept, Quincy PVS, Albis, Tomedo, MCS, Frey ADS-Praxis. Auch zahnärztliche Systeme wie evident und CHARLY haben GDT-Implementierungen. Bei Krankenhäusern (KIS-Systeme) ist die Anbindung typischerweise über HL7 statt GDT, das ist ein anderer Standard.
Wichtig zur Praxis-Realität: GDT-Implementierungen variieren zwischen PVS-Anbietern in den unterstützten Datensätzen und Sub-Versionen. Eine Anbindung an medatixx kann ein Update der GDT-Mapping-Konfiguration auf Seiten der Praxis bedeuten, an T2med möglicherweise eine Lizenzfrage. Vor dem Roll-out an mehrere Praxen empfehlen wir eine Pilot-Konfiguration mit dem konkreten PVS der ersten Praxis.
Stand der Dermalia-Anbindung
Aktuell läuft Dermalia eigenständig als Patient-Befund-Schicht parallel zum PVS. Die Praxis nutzt unsere Webapp für QR-Scan und Befund-Versand, der Befund liegt in unserem Dashboard und wird Patient:innen per E-Mail-Link zugestellt. Eine GDT-Schnittstelle ist auf der Roadmap, der konkrete Termin hängt von der Pilot-Praxis-Konfiguration ab.
Was bei einer ersten Anbindung anstehen wird, im Überblick:
- GDT-Datensatz-Definition für Dermalia (welche Felder gehen rein, welche kommen raus)
- Mapping der Score-Werte auf die textuelle Befund-Form (PDF-Anhang ist der pragmatische Default)
- Konfiguration im PVS der Pilot-Praxis (Pfade, Auslöser, Empfangs-Verzeichnis)
- Test-Schleife mit Pilot-Patient:innen vor produktivem Einsatz
Wer eine konkrete Anbindung an ein bestimmtes PVS benötigt, sollte das im Beratungs-Gespräch frühzeitig erwähnen. Wir können den Aufwand realistisch einschätzen, und für die ersten Pilot-Praxen ist eine GDT-Anbindung kosten- und priorisierungs-relevant.
Alternative: KIM und TI-Anbindung
Die Telematikinfrastruktur (TI) und das KIM-Dienst (Kommunikation im Medizinwesen) gehen einen Schritt weiter und stellen sichere Ende-zu-Ende-Kommunikation zwischen Praxen, Krankenhäusern und Apotheken bereit. Für die Befund-Übergabe an die behandelnde Praxis ist KIM eine Option, für die Geräte-PVS-Lokal-Verbindung bleibt GDT pragmatisch. Beide Pfade schließen sich nicht aus, sie adressieren unterschiedliche Übergabe-Stellen.
Quellen und weiterführende Links
- Qualitätsring Medizinische Software e.V. (QMS), GDT-Spezifikation: qms-standards.de/gdt-schnittstelle
- GDT 3.5 Spezifikation (frei verfügbar in deutscher und englischer Sprache, März 2024): qms-standards.de
- medatixx, Erklärung GDT-Schnittstelle im Praxis-Alltag: medatixx.de
- Gematik, Telematikinfrastruktur und KIM-Dienst (Übersicht): gematik.de
Stand: Mai 2026. Dieser Artikel beschreibt den GDT-Standard und den aktuellen Implementierungs-Stand von Dermalia. Konkrete Anbindungs-Schritte besprechen wir im Onboarding-Gespräch.
Passend dazu
- DSGVO bei medizinischer Bildanalyse, Praxis-ChecklisteWenn Sie in der Praxis eine 3D-Hautanalyse einsetzen, verarbeiten Sie Gesundheitsdaten nach Art. 9 DSGVO. Was bedeutet das konkret? Wir gehen die acht Punkte durch, die eine Praxis vor dem ersten echten Scan klären muss, Rechtsgrundlage, Auftragsverarbeitung, Aufklärung, Speicherdauer und das Sonderproblem ausländischer Server.
- Patient:innen-Einwilligung bei 3D-Hautanalyse, was Art. 9 DSGVO konkret verlangtBiometrische Gesichts-Scans sind besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 DSGVO. Wir gehen durch, welche Rechtsgrundlagen in Frage kommen, was die Einwilligung enthalten muss und wo die wichtigsten Stolperfallen für die dermatologische Praxis liegen. Kein Mustertext, sondern eine Anforderungs-Checkliste.
- MDR-Klassifizierung von Hautanalyse-Software, was MDCG 2019-11 für die Praxis bedeutetDie Medical Device Coordination Group (MDCG) hat im Juni 2025 die Revision MDCG 2019-11 Rev.1 veröffentlicht und damit die Regeln zur Software-Klassifizierung unter MDR und IVDR präzisiert. Wir gehen durch, was das für Software um Hautanalyse-Geräte konkret heißt, wo die Klasse-Grenzen liegen und was Praxen vor dem Einsatz prüfen sollten.
Weiterführend