← Alle Artikel

Hautanalyse bei Pigmentstörungen und Melasma, was UV-Aufnahme von sichtbarem Pigment trennt

Melasma, Solar Lentigo und postinflammatorische Hyperpigmentierung sehen klinisch ähnlich aus, sind aber unterschiedlich tief in der Haut lokalisiert. Wir zeigen, was die 3D-Hautanalyse zur Differential-Befundung beiträgt, wie der Modified-MASI-Score als Verlauf-Größe genutzt werden kann und wo die Grenzen für Werbung liegen.

Aktualisiert am 23. Mai 2026 · 7 Min. Lesezeit

Pigmentstörungen sind eine der häufigsten Indikationen in der dermatologischen Sprechstunde, gerade in der Frauen-Versorgung. Die Differentialdiagnose zwischen Melasma, Solar Lentigo, postinflammatorischer Hyperpigmentierung (PIH) und Ephelides braucht klinische Erfahrung und manchmal eine Wood-Lampen-Untersuchung. Die 3D-Hautanalyse mit UV-Modus liefert eine zusätzliche Schicht, die in der Wood-Lampe nicht standardisiert dokumentierbar ist: eine quantitative UV-Karte mit Region-Koordinaten und Verlaufs-Vergleichbarkeit.

Was die UV-Aufnahme bei Pigment zeigt

UV-Licht bei 365 nm wird in der oberen Hautschicht (Epidermis) stärker absorbiert als in der Dermis. Pigment, das in der Epidermis sitzt, wird unter UV deutlich kontrastreicher dargestellt als Pigment, das tiefer in der oberen Dermis liegt. Diese Methode-Eigenschaft hilft bei der Einordnung:

  • Solar Lentigo: meist epidermal, klare Begrenzung, im UV deutlich verstärkt.
  • Melasma epidermalis: epidermal lokalisiert, in der UV-Aufnahme verstärkt; meist symmetrisch in Wangen, Stirn, Oberlippen-Region.
  • Melasma dermalis: tieferes Pigment in der papillären Dermis, im UV weniger verstärkt als im sichtbaren Licht, was differenzialdiagnostisch hilft.
  • Postinflammatorische Hyperpigmentierung (PIH): Akne-Narben-Pigment, oft entlang der ehemaligen Läsionen. UV-Verstärkung variabel je nach Tiefe.
  • Ephelides (Sommersprossen): sehr scharf umrissen, epidermal, UV-stark.

Diese Einordnung ist orientierend, nicht histologisch beweisend. Bei unklarer Klinik bleibt die dermatoskopische und ggf. histologische Abklärung das Standardvorgehen, insbesondere zum Ausschluss eines Lentigo maligna.

Was die polarisierten Aufnahmen ergänzen

Cross-polarisierte Aufnahme reduziert Oberflächen-Reflexion und macht das sichtbare Pigment präziser. Die Software auf dem Befund mappt die sichtbaren Pigment-Cluster auf die UV-Karte und zeigt damit nebeneinander, was unter normalem Licht sichtbar ist und was unter UV zusätzlich auftaucht. Patient:innen-Reaktion auf den UV-Befund ist regelmäßig stark, weil die UV-Aufnahme oft mehr Pigment zeigt als das Spiegel-Bild.

Modified MASI-Score als Verlaufsmaß

Der Modified Melasma Area and Severity Index (mMASI) ist der etablierte klinische Score zur Verlaufs-Quantifizierung. Vier Gesichtsregionen (Stirn, rechte Wange, linke Wange, Kinn) werden nach Areal-Anteil und Pigment-Dichte bewertet, das Produkt summiert zum Gesamt-Score. Studien zu Q-switched-Nd:YAG-Laser plus Tranexamsäure (kombinierte Therapie) zeigen mMASI-Reduktionen im mittleren bis hohen Prozent-Bereich (siehe Quellen-Sektion), die genaue Wirkung ist tarif- und patient:innen-spezifisch.

Die 3D-Hautanalyse ersetzt den mMASI-Score nicht, sie ergänzt ihn um eine reproduzierbare Bild-Dokumentation. Manche Praxen erfassen den mMASI klinisch zur Eingangs-Schwere, der Befund liefert dann die Verlaufs-Aufnahme für den Vergleich nach 3, 6 und 12 Wochen.

Verlauf bei Therapie-Optionen

Etablierte Behandlungs-Optionen bei Melasma sind aktuell:

  • Topisch: Hydrochinon, Tretinoin, Azelainsäure (Kligman-Schema, Triple-Combination)
  • Tranexamsäure systemisch oder topisch: reduziert die Melanozyten-Aktivität, in Kombination mit Laser zunehmend angewendet
  • Q-switched Nd:YAG-Laser: oft mit niedrigerer Fluenz (Low-Fluence-Protokoll), spezifisch für Melasma
  • IPL (Intense Pulsed Light): für epidermale Pigment-Anteile, weniger für dermales Melasma geeignet, weil das Pigment tiefer liegt
  • Sonnenschutz: SPF 50+, mineralisch, ganzjährig — der wichtigste und am häufigsten unterschätzte Pfeiler

Bei IPL-Therapie ist Vorsicht geboten: Bei Melasma kann IPL paradoxe Hyperpigmentierung verursachen, wenn die Energie zu hoch oder das Pigment zu tief liegt. Die UV-Aufnahme des Befunds vor Therapie hilft bei der Einschätzung, ob das Pigment epidermal genug für IPL ist.

Was zu vermeiden ist

Drei Fallen, die wir in Praxen sehen, die mit Hautanalyse bei Pigment arbeiten:

  • Vorher-Nachher-Werbung mit dem Befund: Verboten nach § 11 Heilmittelwerbegesetz, seit BGH-Urteil vom 31.07.2025 (Az. I ZR 170/24) auch bei minimal-invasiven Eingriffen. Befund bleibt in der Akte und im persönlichen Beratungs-Gespräch.
  • Therapie-Erfolg garantieren: Melasma ist eine chronische Indikation mit Rezidiv-Tendenz. Der Befund-Vergleich darf das nicht überspielen.
  • UV-Aufnahme als Diagnose-Ersatz: Lentigo maligna sieht im UV-Bild ähnlich aus wie Solar Lentigo. Bei unklarem Befund Dermatoskopie und ggf. Histologie, nie nur das Gerät.

Praxis-Setup für die Pigment-Sprechstunde

Erstkonsultation: Anamnese (Sonnen-Exposition, Schwangerschaft, Hormone, Medikamente, ethnische Herkunft), klinische Inspektion und Dermatoskopie, dann Hautanalyse mit UV-Modus als Befund-Dokumentation. Der Befund wird Patient:innen als E-Mail-Link zugeschickt. Folge-Termine nach 6 bis 12 Wochen mit identischer Aufnahme-Position, der Vergleichs-Block im Befund zeigt die UV-Marker-Veränderung pro Region.

Quellen und weiterführende Links

Stand: Mai 2026. Dieser Artikel ist Fachinformation für ärztliche Praxen, keine Therapie-Empfehlung im Einzelfall. Studienzitierungen sind orientierend; die Übertragbarkeit auf die individuelle Patient:in bleibt der ärztlichen Bewertung vorbehalten.

Weiterführend